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Berndt Seite

N wie Ninive
Erzählungen

In metaphorisch einprägsamen Stil  werden verschiedene Schicksale erzählt, die ihren Haupthelden alles abverlangen, sie an ihre Grenzen bringen. Bei der Frage nach der Schuld, nach Gerechtigkeit und Gott verstricken sich Zukunft und Vergangenheit. 

"Er hat einen eigenen Ton, ein bisschen mecklenburgisch erdenschwer, aber dann auch wieder sehr poetisch"

Frankfurter Allgemeine 07.10.2014 Nr. 232 S. 10 

Der Berliner

Der Berliner

Der Berliner ist grob, zanksüchtig, ohne Sentimentalität, eitel, exklusiv...

Mit Berlin und dessen Weise ist für den Berliner alles erschöpft, er hat keinen Maßstab als diesen; er weiß nicht nur alles, sondern er weiß auch alles besser, alles, was anders ist, ist schlecht. Ein Bajonett des schnellsten, willkürlichsten Urteils geht durch alle Berliner, und in gewisser Art sind sie auch eigentlich alle Soldaten.

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Heinrich Laube, 1837

Die eigentlichen Berliner, mit Spreewasser getauften Kinder sind ein kluges, aufgewecktes Völkchen, dabei gutmütig und in hohem Maße wohltätig und mitfühlend bei fremden Unglück. Wird im Publikum ein Ereignis bekannt, wo schnelle Hilfe not tut, so eilt alt und jung, arm und reich herbei, zu helfen und zu geben. Der verstorbene Klaviervirtuose Lauska, damals Lehrer des Prinzen, pflegte im Hinblick auf dieses werktätige Wohlwollen zu sagen: „Wer in Berlin erst arm ist, der ist dicke durch."

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Felix Eberty, Jugenderinnerungen eines alten Berliners, 1878

Viele Einwanderer machen drei Stadien in Berlin durch.

Das Fremdsein, das Gefühl der Vereinsamung unter den vielen bedrückt;

das gemütliche Überlegen, der Freundeskreis der  kleinen Stadt wird schmerzlich vermisst;

der Lärm und die Hast des Lebens verstimmt.

Die Anpassung vollzieht sich schnell. Viel erleben, zahlreichen bedeutenden Menschen
Anregung und Aneiferung zu verdanken, freiere Bewegung unter den vielen Unbekannten
Entschädigen für die traulichen Stunden in der Kleinstadt. "Ich könnte nicht mehr zurück",
bezeichnet den dritten, dauernden Zeitraum.

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Prof. Dr. Gerhardt, 1896

Die Berliner gelten für Menschen mit scharfen Zungen, gern und an allem etwas aussetzend,
selten mit andern zufrieden, als mit ihrem Witz. (Aber) die Berliner haben noch eine
Eigenschaft: sie sind im Grunde gutmütige Geschöpfe und nehmen es nicht übel, wenn man sie düpiert.

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Willibald Alexis 1832

Ich weiß, sobald ich anfange, meine guten Berliner zu loben, so hat mein Ruhm bei ihnen ein Ende, und sie zucken die Achseln und flüstern einander zu: der Mensch wird sehr seicht, uns sogar lobt er. Keine Stadt hat nämlich weniger Lokalpatriotismus als Berlin. Tausend miserable Schriftsteller haben Berlin schon in Prosa und Versen gefeiert, und es hat in Berlin kein Hahn danach gekräht, und kein Huhn ist ihnen dafür gekocht worden. Dagegen hat man ebenso wenig Notiz davon genommen, wenn irgendein Afterpoet etwa in Parabasen auf Berlin losschalt. Wage es aber mal jemand gegen Polkwitz, Schilda, Posen, Krähwinkel und andere Hauptstädte etwas Anzügliches zu schreiben! Wie würde sich der respektive Patriotismus dort regen!

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Heinrich Heine, Reise von München nach Genua, 1830

Im Allgemeinen sind die Berliner gutmütig und ein so tätiges und strebsames Volk wie kaum ein weiteres in Deutschland. Freilich sind sie nicht äußerlich gemütlich, sie drücken nicht jeden an ihr Herz, weil sie zuvor prüfen und erkennen wollen. Weil der Berliner nicht heucheln, schmeicheln, kriechen kann, muss man ihn nicht arrogant und absprechend nennen. Weil sich Berlin trotz seiner kurzen Geschichte so glänzend und bedeutsam herausgehoben, muss man keinen spöttischen Akzent auf seinen Namen legen.

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Adolf Glassbrenner, Berliner Volksleben, 1847