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Gefangen im Netz der Dunkelmänner

Berndt Seite, Annemarie Seite und Sibylle Seite

Berndt Seite und seine Familie möchten sich die »Stasi« von der Seele schreiben, um nicht ein Leben lang mit der DDR-Diktatur konfrontiert zu bleiben. Der Text soll einen Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur leisten. 

Meine Abschiedsworte

Meine Abschiedsworte

Matt Lamb

Eine Apologie


Der große irisch-amerikanische Maler und Friedensaktivist Matt Lamb (1932-2012) war ein sehr lebensbejahender und gläubiger Mann. Als er seinen Tod kommen sah, hat er seine Familie und Freunde getröstet und mit ihnen seine Beerdigung geplant. Ihm lag daran, feierlich und zugleich fröhlich von seinen vielen Freunden Abschied zu nehmen. In Deutschland haben sich diese Freunde in der in Berlin ansässigen „Deutsche Matt Lamb Gesellschaft e. V." und im „Freundeskreis Matt-Lamb-Kirche Zum Kripplein Christi Bergern e. V." zusammengeschlossen.
Der folgende Text gibt die von ihm selbst verfassten Abschiedsworte wieder. Die Übersetzung aus dem Englischen stammt von Botschafter a. D. Dietrich Lincke.

Florian Russi

    

Wenn Sie dies lesen, bin ich in die nächste Dimension übergewechselt. Als ich kürzlich aus dem Krankenhaus kam, übergab ich diese Botschaft Richard Speer, der für uns den Blog und das Facebook herausgibt, und bat ihn, sie einzustellen, wenn ich diese Welt verlassen und meinen nächsten Posten angetreten habe.

So lautet die Botschaft: Wie Frank Sinatra sang: „I did it my way", handelte ich so, wie ich dachte, dass ich handeln sollte. Aber dabei erhielt ich viel Hilfe durch Tausende auf der Welt. Niemand lebt für sich allein. Nichts wird durch eine Person allein bewirkt. Wir alle haben individuelle Stärken und Schwächen, aber wenn wir all unsere Stärken zusammentun, dann wird daraus eine sehr schwungvolle Kraft. Das war schließlich das Ergebnis meiner Überlegungen, wie wir gute Leute zusammenbringen können. Der Weg vom Beobachter der menschlichen Szene zum Handelnden ist der Pfad der Wagemutigen und Visionäre. Es ist der Pfad zum Wissen, dass es besser ist, etwas zu tun, als gar nichts zu tun.

Da ich die erste Hälfte meines Lebens im Bestattungsgewerbe zugebracht habe, lernte ich frühzeitig, dass alles vergänglich ist: Zu einem uns unbekannten Zeitpunkt werden wir schlagartig irgendwo anders sein. In der Zwischenzeit ist jeder Tag, den wir haben, ein Geschenk. Nehmen wir es an, wie es ist - nicht besser, nicht schlechter!

In meinem Leben habe ich versucht, an jedem Tag zu bedenken: "Was, wenn es der letzte ist?" Und deshalb habe ich versucht, so zu leben, dass ich es nicht bedauern würde, wenn es mein letzter Tag wäre, oder dass ich denken müsste, ich hätte ihn verschwendet oder hätte etwas getan, was nach meiner Meinung vollkommen dämlich ist, bzw. etwas nicht getan, wovon ich wusste, dass ich es hätte tun sollen oder es auf morgen verschoben habe.

In der tatsächlichen Welt des Bestattungsgewerbes gibt es nur das Heute. Gestern ist vorbei, und es gibt keine Möglichkeit, etwas zu tun, um das zu ändern. Du lebst im Heute und das Morgen kommt vielleicht nie.

So nehmt es an von einem alten Bestatter: Jeden Morgen, den Ihr aufsteht, freut Euch, dass Ihr noch da seid und Euch lächerlich machen könnt!
Gott und die Lebensgeister waren sehr geduldig mit mir und sehr hilfreich. Sie drückten mich an sich, wenn ich es brauchte, oder traten mich in den Hintern, wenn ich es brauchte!

Meine Frau Rose war wahrhaftig mein leitender Geist. Ohne sie wäre ich längst im Grab.
Ich bin außerordentlich stolz auf all meine Kinder, Enkel und Urenkel. Als mein Sohn Großvater geworden war, wüsste ich tatsächlich, dass ich alt wurde.

Danke, danke, danke allen Menschen, die unsere Botschaft von Frieden, Toleranz, Verständnis, Hoffnung und Liebe verkünden! Ich liebe Euch alle. Ihr seid die Wagemutigen und die Visionäre. Ihr werdet nicht nur die Welt verändern, sondern Ihr verändert sie bereits.

Ich bin glücklich, diese Welt in dem Bewusstsein zu verlassen, dass meine Tochter Shila und ihre Mannschaft von Wagemutigen und Visionären die Fackel übernommen haben - mit unseren „Umbrellas for Peace" und anderen Programmen, die tatsächlich auf den einen Nenner zu bringen sind: „Kann Kunst die Welt verändern? Mit absoluter Sicherheit!"

Ich will Euch folgendes hinterlassen: Macht Euch keine Sorgen darüber, was „sie" denken werden. In meiner Welt gilt es keinen Fatz, was „sie" denken, weil es „sie" nicht gibt, und wenn es „sie" nicht gibt, dann können „sie" mir gestohlen bleiben!

Was Du denkst, darauf kommt es an. Wenn Dir etwas als ein guter Gedanke erscheint - egal, was es ist - dann erinnere Dich an den alten Nike-Wahlspruch und tu es einfach (Just do it).

Matt´s Final Blog

Matt Lamb