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Horst Nalewski
Kennst du Rainer Maria Rilke?
Der schwere Weg zum großen Dichter

Der junge Rilke wächst in Prag auf undentwächst den bürgerlichen Vorstellungen seiner familiären Umgebung. Auf der stetigen Suche nach sich selbst, findet er Halt im Schreiben und schreibt viel. "Der schwere Weg zum großen Dichter" ist hier verständlich und interessant dargestellt.

Ein Ausflug ins Flugland

Ein Ausflug ins Flugland

Max Friedländer


„Berlinerisch" ist der Dialekt, der in Berlin und im Land Brandenburg gesprochen wird. Der spezielle Berliner Humor ist als „Berliner Schnauze" bekannt und gefürchtet. Das „Berlinern" war lange als Dialekt der niederen Schichten verpönt. Heute wird das Berlinische oftmals in der Werbung verwendet, um einen Lokalkolorit zu betonen. Im Berlin-Brandenburgischen Wörterbuch ist der Wortschatz des Berlinischen erfasst und dokumentiert.

Hannelore Eckert

Also, ich sage am Sonntag bei`s Essen:" Kinderkens," sag ick," wir machen heute nach Schmarjendorf." Die Kinderkens waren ooch jleich mit inverstanden, aber wat meine Olle is, wird nadierlich wat dajejen haben von wejen se wird mit dem Ufwasch nich fertig und sonne Kaleika.

„Aujust," sagt se zu mir," wat du immer for Ideen hast! Ick kenne dir. Halt die Luft an ..."
„Wo werd ick denn die Luft anhalten," unterbrach ick ihr, „die Ballönger brauchen doch die Luft, die derf man heite nicht anhalten." „Quatschkopp," meent meine Olle, aber se jing mit.

Schmarjendorf is Jejend, So wat Flaches kann man sich partuh nich vorstellen; der Sarah Bernhardt ihr Busen is dajejen eene Alpenlandschaft. Wat der olle Pytharojaras is, der is sicher niemals in Schmarjendorf jewesen, sonst hätte er nich jesajt, det die Erde rund is.

Ick nu ran an`n Schutzmann und frage:" Entschuldigen Sie, wo komm` ick hier dorthin, wo jeflojen wird?" „Jehn Se man immer der Nase nach," meente er, „wo et stinkt, da is et." Also wir immer dalli und richtig; wo et stank, da war et. Soweit det Ooge reichte, sah man nischt wie Ballönger, alle Systeme, schlappe, halbschlappe und unschlappe.

Et jibt nämlich mit sonne Ballönger Zielfahrten un Weitfahrten un Dauerfahrten. Det is nämlich so: Bei `ne Zielfahrt fahrt man bis zum Ziel un bei`ne Weitfahrt, da fahrt man weit über det Ziel heraus. Aber et jibt auch Ballönger, die ihm nicht erreichten und so`n Ballon dauert mir und et nennt man `n Dauerfahrt. Die Hauptsache is aber det Jordon-Benett-Rennen oder Je länger je lieber. Aber ihre Zukunft liegt nich uf`n Wasser, denn et jilt nicht, wenn se uf`n Wasser landen.

Uf eenmal schreit eener: „Anlüften! Ufziehen! Laßt los!" Un nu jeht der Kladderadatsch in die Höhe; een Ballong fliegt jrade über meinen Hut. Det jeht mir über die Hutschnur, denke ick und lüfte meinen Bibi an und sage:" Adjeh, Herr Luftschiffer! Hätten Se meine Olle nich mitnehmen können?"

Nu wird se eklig un sagt:" Aujust, jetzt machen wir aber nach Hause, et is for Dir heechste Zeit!"
Alos nu retour von Schmarjendorf nach Wilmersdorf, von Wilmersdorf nach Charlottenburg, von Charlottenburg nach Berlin un denn rin in die Ackerstraße. Aber der Dorscht, der Dorscht! Ick mußte in jede Ortschaft mindestens eenmal inkehren. Zuletzt transportierte meine Olle mir die Treppe ruf un rin in det eheliche Schlafjemach. Ick lüfte meine Sonntagskluft und ziehe meine Uhr uf und reiß mir von meine Olle los, die mich am Schlafittel hatte. Un wie ick in `t Bett fiel, schrie ick: „Anlüften! Ufziehen! Laßt los!"

*****
Max Friedländer (1829-1872)
Aus „Die Großmeister des Berliner Humors in alter und neuer Zeit", herausgegeben von Dr. Adolph Kohut, Berlin 1915 A. Hofmann & Comp.