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Heft 2

B-Z! Das ist nett! (Teil 1)

In diesem Arbeitsheft werden alle Konsonanten eingeführt, die sich beim Sprechen gut dehnen lassen. Dazu kommen noch einige Vokale (Zwie- und Umlaute).

Chinesische Botschaft.

Chinesische Botschaft.

Dietrich Lincke

Die diplomatischen Beziehungen zwischen China und Deutschland sind relativ jung: 1865 Errichtung einer preußischen, nach der Reichsgründung der deutschen Gesandtschaft in Peking, 1877 Amtsantritt des ersten kaiserlichen chinesischen Gesandten in Berlin.

Doch die blanken Jahreszahlen sagen wenig aus über die Bedeutung, die das bilaterale Verhältnis für beide Partner hat. China hat heute über 1,3 Mrd. Einwohner, 17x so viel wie Deutschland, ein Staatsgebiet von mehr als 9,5 Mio. km², 27x so viel wie das heutige Deutschland.

Noch viel eindrucksvoller ist die fünftausendjährige Geschichte der chinesischen Kulturnation, die seit 2000 v. Chr. über ihre eigene Schrift verfügt, während sich das deutsche Volk vor kaum mehr als 1000 Jahren aus den germanischen Vorfahren bildete. China war demgegenüber schon Zeitgenosse der ersten Hochkulturen. Im alten Ägypten und Mesopotamien auf ähnlichem Niveau. Im Römischen Reich und später im Mittelalter gab es mittelbare Kontakte und Handel zwischen China und dem Mittelmeerraum (zu Lande entlang der „ Seidenstraße", zur See über den Vorderen Orient). Auch in unseren Breiten finden sich Spuren, die auf alte Zeiten zurückgehen. Die Kirsche, die aus China stammt und auch bei uns gedeiht, wurde durch den römischen Feldherrn und Feinschmecker Lucullus eingeführt.

Das deutsche Wort Apfelsine - in anderen Sprachen Orange - zeigt noch heute die Herkunft: chinesischer Apfel. Aber das konkrete Wissen über den anderen - fernen - Kulturkreis blieb auf beiden Seiten bruchstückhaft und sagenumwoben bis ins späte Mittelalter. Erst die wagemutige Reise und der lange Aufenthalt des venezianischen Kaufmanns Marco Polo in China im 13. Jahrhundert brachten etwas genauere Kenntnisse nach Europa, und es dauerte wieder geraume Zeit, bis die jesuitischen Missionare im 17./18. Jahrhundert dem christlichen Abendland ein vollständigeres Bild vermittelten.

China blieb sich stets selbst genug, und es suchte von sich aus keine Kontakte oder gar Expansion über die eigene Sphäre hinaus. Nichts zeigt das deutlicher als die chinesische Mauer, die schon im Altertum angefangen, zum Schutz gegen Invasionen, vor allem der Mongolen, etappenweise ausgebaut und im 15. Jahrhundert vollendet wurde. Ihre Ausmaße sind immens (2500 km, mit Abzweigungen sogar weit mehr als das Doppelte).

Um 1400 schien sich jedoch ein Wandel in der chinesischen Einstellung zur Außenwelt zu vollziehen. Der Kaiser ließ eine gewaltige Flotte bauen, der gegenüber sich die Schiffe der europäischen Seefahrer jener Zeit klein und bescheiden ausgenommen hätten. Aber es kam zu keiner Begegnung. Die kaiserliche Flotte machte vor der Küste Afrikas halt, dann kehrte sie um, und sie wurde schließlich wieder abgetakelt. Die Gründe für den Verzicht auf jeden weiteren maritimen Vorstoß bleiben rätselhaft. Noch am Ende des gleichen (15.) Jahrhunderts gelang den Portugiesen die Umschiffung Afrikas, und damit begann die Ausbreitung der europäischen Seefahrernationen in den asiatischen Raum. Schon 1557 erwarb Portugal die Kolonie Macao, die es erst 1999 an China zurückgab. Den Portugiesen folgten bald Spanien, Holland, Großbritannien und Frankreich in der politischen und kommerziellen Expansion zur See, schließlich Rußland auf der Landseite.

Deutschland gab lediglich um die vorletzte Jahrhundertwende ein kurzes Gastspiel in Fernost. Bis dahin hing es jahrhundertelang nur als „Endverbraucher" an den Handelsströmen aus Asien. Wie seit alters her stand dabei die Seide hoch im Kurs.

Chinesisches Porzellan und Lackmöbel, auch Teppiche und Bilder (Tuschzeichnungen) waren begehrte Luxusgüter und wurden zu Statussymbolen. Im 18. Jahrhundert waren „Chinoiserien" die große Mode, besonders an den Fürstenhöfen. In Europa bemühte man sich auch, die Produkte selber herzustellen oder zu imitieren. Der Versuch, die Aufzucht der Seidenraupen einzuführen, war auf die Dauer wenig erfolgreich. Die Chinesen hüteten auch lange das Geheimnis der Porzellanherstellung. Schließlich gelang es dem Alchimisten Johann Friedrich Böttger 1708 in Dresden, das Rätsel zu lösen. So wurde das Meißner Porzellan eines der erfolgreichsten „Nachahmerprodukte" der Geschichte.

Nach Jahrtausenden der Überlegenheit oder Ebenbürtigkeit, auch auf technischem Gebiet (viele große Erfindungen wurden in China früher gemacht als in Europa, wie z.B. die Dampfmaschine, Schwarzpulver und Feuerwerk, Druckereiwesen, Papiergeld etc.) geriet das große Reich im 19. Jahrhundert ins Hintertreffen. Es versuchte, sich abzuschirmen. Aber Großbritannien erzwang seine Öffnung für den westlichen Wirtschaftsaustausch: es führte 1839-42 den ersten „Opiumkrieg" gegen China. Um ein Gegengewicht gegen dessen Handelsüberschüsse (insbesondere mit Seide und Silber) zu schaffen, forcierten die Briten in dem von ihnen beherrschten Indien den Anbau von Opium, das sie nach China exportieren wollten. Als sich die dortigen Behörden dagegen wehrten, entschlossen sich die Engländer zum militärischen Eingreifen.

Als Resultat erzwangen sie 1842 im Vertrag von Nanking die Abtretung Hongkongs, das bis 1997 britische Kronkolonie blieb, sowie die Öffnung von fünf weiteren Häfen für den Handel mit dem Westen. Dazu kamen zahlreiche Auflagen, die den Europäern vollen Bewegungsspielraum für ihre Aktivitäten in China sicherten. Nach diesem Muster folgten in den nächsten Jahren weitere „ungleiche Verträge" mit Franzosen, Amerikanern und Russen und 1856/60 der zweite Opiumkrieg. Das brachte tiefe Einschnitte in die Souveränität des riesigen Landes, die bis heute ein Trauma gegenüber „Einmischungen von außen" hinterlassen haben, selbst wenn sie humanitär und nicht wirtschaftlich motiviert sind.

Während Japan die Öffnung, die ihm 1853/54 eine amerikanische Flotte abtrotzte, für energische Reformen und einen gewaltigen wirtschaftlichen und militärischen Aufholspurt nutzte, geriet China durch die fremden Eingriffe in weitere innere Zwistigkeiten und wurde dadurch noch mehr geschwächt. Es versuchte zwar, sich ein Beispiel an den japanischen Reformen zu nehmen. Aber alle Ansätze, die fremde Bevormundung abzuschütteln, scheiterten. 1894/95 unterlag es dann auch noch im Krieg gegen Japan, eine weitere Demütigung, verbunden mit Gebietsverlusten.

In dieser schwierigen Phase - der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts - entwickelten sich die bilateralen deutsch-chinesischen Beziehungen zunächst unspektakulär und günstig. Eine preußische Delegation erreichte 1861 den Abschluß eines Freundschafts-, Handels- und Schiffahrtsvertrages, der u.a. eine Meistbegünstigungsklausel enthielt und auch die Errichtung einer deutschen diplomatischen Vertretung vorsah, die von den Chinesen allerdings bis 1865 hinausgezögert wurde. Die Kaiserliche Chinesische Gesandtschaft in Berlin wurde sogar erst 1877 eröffnet.

Deutschland verfolgte bis zum Ausscheiden Bismarcks 1890 keine kolonialen Ziele in China. Danach änderte sich die Interessenlage. Das Engagement deutscher katholischer Missionare wuchs. Als 1897 zwei Steyler Patres ermordet wurden, besetzte Deutschland zur„ Ahndung" die Kiautschou-Bucht mit der Hafenstadt Tsingtao. Ein „Pachtvertrag" mit der chinesischen Regierung folgte. Das Gebiet sollte zum „deutschen Hongkong" werden. Der gegen die Ausländer und die chinesischen Reformer gerichtete „Boxeraufstand" und die dadurch ausgelöste „Strafexpedition" des Westens und der Japaner brachten eine weitere Zuspitzung. Die Ermordung des deutschen Gesandten in Peking hatte den Anlaß gegeben. In Tsingtao und der umliegenden Provinz Shantung war es dagegen ruhig geblieben.

Trotz dieses unglücklichen Beginns hat Deutschland während der 17 Jahre seiner Herrschaft (bis zur Eroberung und Wegnahme durch die Japaner 1914) Eindrucksvolles geleistet. Davon künden noch heute Hafenanlagen, Straßen und Gebäude, sanitäre Einrichtungen, Schulen, die damalige deutsch-chinesische Hochschule, nicht zu vergessen die berühmte, heute weltweit operierende Brauerei. Die deutschen Aufbauleistungen wurden schon 1912 von Dr. Sun Yat-sen, dem ersten Präsidenten der chinesischen Republik und Gründer der Kuomintang-Partei, gewürdigt.

Mit der Revolution von 1911 war das jahrtausendalte chinesische Kaiserreich durch die Republik abgelöst worden. Schon bald nach dem Ausbruch des I. Weltkriegs zerfiel das neu konstituierte Staatswesen allerdings in Herrschaftsgebiete regionaler militärischer Machthaber, der sogenannten „war-lords" (1916-1928).

1925 starb Sun Yat-sen. Sein Nachfolger wurde General Tschiang Kai-chek. Er übernahm die Leitung der Kuomintang und rief in Nanking eine neue Republik unter seiner Führung aus. Im Kampf gegen die regionalen Machthaber verbündete er sich mit den Kommunisten. Nach Niederringung ihrer Gegner lebten die Feindseligkeiten zwischen Nationalisten (Kuomintang) und Kommunisten wieder auf, bis sie sich 1937-45 im Widerstand gegen die vordringenden Japaner erneut zusammentaten. Diese hatten schon 1932 die Mandschurei aus Nordchina herausgebrochen und dort den separaten Satellitenstaat Mandschukuo errichtet (bis 1945). 1937 drangen sie von der Küste her in die chinesischen Kernlande ein. Sie eroberten Nanking und richteten dabei ein großes Blutbad an, das bis heute die Beziehungen zwischen beiden Völkern belastet. Sie hielten bis Kiegsende die Küsten Chinas besetzt, auch Shanghai. Die große Hafenstadt war praktisch der einzige Zufluchtsort gewesen, der unmittelbar vor dem II. Weltkrieg noch jüdische und auch politische Flüchtlinge aus Deutschland aufnahm. Sie überlebten den Krieg dort unter der japanischen Besetzung und emigrierten danach zumeist weiter nach Australien, Kanada oder in die USA.

Japan mußte nach seiner Kapitulation am 2.9. 1945 umgehend alle von ihm besetzten Länder und Gebiete auf dem asiatischen Festland räumen. In China brach nun der Bürgerkrieg zwischen Nationalisten und Kommunisten wieder aus. Er endete 1949 mit der Niederlage Tschiang Kai-cheks und seiner Gefolgsleute, die auf die Insel Taiwan flüchteten, wo sie sich bis heute halten. Sie beanspruchen noch weiterhin, die rechtmäßige Vertretung Chinas zu sein, während die Volksrepublik China ihrerseits den Alleinvertretungsanspruch geltend macht.

1949 wurde Mao Tse-tung, der schon lange Jahre der maßgebliche Parteiführer der Kommunisten war (bereits auf dem „langen Marsch" 1934/35), Erster Vorsitzender der Partei. Am 1.10.1949 verkündete er die Gründung der Volksrepublik China und bestimmte bis zu seinem Tode (1976) die Geschicke des Landes. Er übernahm ein bitterarmes, durch die langen Bürgerkriege geschwächtes Land und errichtete mit eiserner Faust ein sozialistisch-planwirtschaftliches System. Dies kostete vielen Millionen Menschen das Leben.

Außenpolitisch kam es 1950-53 im Korea-Krieg zur Konfrontation mit den USA. Der Konflikt endete mit einem Patt und der bis heute andauernden Teilung Koreas. In dieser Zeit arbeitete China mit der Sowjetunion zusammen, die es militärisch unterstützte. Allerdings weigerte sie sich, ihm Atombomben zu überlassen. 1960-62 entstanden ideologische Auseinandersetzungen zwischen den beiden kommunistischen Großmächten, die machtpolitische Hintergründe hatten. China stand trotz seiner Armut längst auf eigenen Füßen: 1964 zündete es seine erste Atombombe, 1967 die erste Wasserstoffbombe.

Innenpolitisch gab es Wechselbäder, einerseits 1957 die „Hundert-Blumen-Kampagne", die eine Lockerung einleiten sollte, andererseits den „Großen Sprung nach vorn" (1958-60) und vor allem die „Kulturrevolution" (1966-76), die einen tiefen Einschnitt und einen Bruch mit der uralten Geschichte des Landes bedeutete. Außenpolitisch wurden die Beziehungen zu den USA gelockert - trotz des noch andauernden Vietnamkrieges, bei dem beide Länder auf der jeweiligen Gegenseite involviert waren und der erst mit dem definitiven amerikanischen Abzug 1975 beendet wurde.

Mit Billigung der USA wurde die Volksrepublik China aber 1971 in die Vereinten Nationen aufgenommen und erhielt den ständigen Sitz im Sicherheitsrat, den bisher Taiwan wahrgenommen hatte.

Die große Wende in der Geschichte der Volksrepublik ist untrennbar mit Deng Xiaoping verbunden, der seine hohen Partei- und Regierungsämter unter Mao zweimal verlor und als geächtet galt, jedoch 1977 abermals rehabilitiert und dann zum bestimmenden Politiker wurde. 1978 begann er seine „Vier Modernisierungen", mit denen die Öffnung zur Marktwirtschaft vollzogen und Chinas beispielloser Aufstieg in den letzten Jahrzehnten in die Wege geleitet wurde. Das Wirtschaftswachstum war immens, mit jährlich 10%, teilweise mehr. Im Jahrzehnt von 2003-2012 erreichte es 2007 mit 14,7% einen Höhepunkt und fiel danach etwas ab. 2012 waren es 7,5,%. Auf dieser Höhe könnte es sich 2013 halten.

Die chinesische Regierung arbeitet darauf hin, eine Überhitzung zu vermeiden. China ist bereits die zweitgrößte Volkswirtschaft nach den USA und hat Deutschland und Japan hinter sich gelassen. Im Außenhandel erzielt es große Überschüsse: 2011 Exporte für 1899 Mrd. US-$ , Importe 1744 Mrd. US-$; das entspricht 13% bzw. 11,9% der Aus- und Einfuhren im Welthandel. Damit steht es weit vor den USA mit 8,4% bzw. 12,7% und Deutschland mit 8,3% bzw. 6,8%. Durch seine regelmäßigen hohen Ausfuhrüberschüsse hat China schon 2011 Devisenreserven von 3181 Mrd. US-$ angehäuft.

Bei den deutschen Importen war China 2011 mit 9% einer der beiden wichtigsten Lieferanten zusammen  mit den Niederlanden (ebenfalls 9%). Bei den deutschen Exporten lag China nach Frankreich, den USA, den Niederlanden und Großbritannien mit 6% an 5. Stelle. Die deutschen Investitionen in China betrugen bis August 2012 19,38 Mrd. US-$, erreichen damit aber nur den 9. Platz unter den ausländischen Investitionen. Die chinesischen Investitionen in Deutschland sind noch von relativ geringer Größenordnung (August 2012 : 2,36 Mrd. US-$ außerhalb des Finanzbereichs), aber sie wachsen schnell.

Dem Wirtschaftsaustausch zwischen Deutschland und China wird von Fachleuten ein beträchtliches Wachstumspotential zugetraut, das angesichts der Einbußen durch die europäische Schuldenkrise von großer Bedeutung ist. Dem entspricht zunehmend auch ein stattliches Austauschvolumen im Bildungswesen. Die Zahl der chinesischen Studenten in Deutschland wird auf 30.000 geschätzt. Umgekehrt gibt es 5.000 deutsche Studenten in China. Es bestehen Partnerschaften zwischen über 400 chinesischen und fast 100 deutschen Hochschulen; sie haben 500 Forschungsprogramme durchgeführt. In Deutschland arbeiten 30.000 registrierte Chinesischlehrer. Wer China bereist, wird erstaunt sein, wie gut die Fremdenführer unsere Sprache auf Grund eines Universitätsstudiums beherrschen, oft ohne in Deutschland gewesen zu sein. Die Anerkennung und Wertschätzung für die traditionsreiche Kultur des Partnerlandes sind auf beiden Seiten groß. Die Ansätze für dieses Interesse liegen im 18. und 19. Jahrhundert, wurden in der Zeit der Weimarer Republik trotz der komplizierten Lage in China vertieft und in den letzten Jahrzehnten wieder aufgegriffen. Gerade deshalb fanden die tragischen Geschehnisse des Jahres 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking in Deutschland viel Anteilnahme. Die Befürchtung, daß mit dem Einsatz des Militärs gegenüber den Studenten die kontinuierliche Modernisierung des Landes vorüber sei, hat sich aber nicht bewahrheitet. Der wirtschaftliche, technische und intellektuelle Austausch haben sich rasant vermehrt. Herausragende Ereignisse wie die Olympischen Spiele in Peking (2008) und die Weltausstellung in Shanghai (2010) legten davon Zeugnis ab.

Den diplomatischen Vertretungen ist dies ein Ansporn, erneut kräftige Impulse für ein rapides Wachstum der Zusammenarbeit zu geben. Die chinesische Botschaft ist offenkundig für einen weiteren Zuwachs an Arbeit und neuen Initiativen gut gerüstet.

Die chinesischen Vertretungen in Berlin waren schon früher in markanten Gebäuden untergebracht: 1877 in einer repräsentativen Villa, die heute Sitz der Stiftung Preußischer Kulturbesitz ist; dann am andern Ende des Tiergartens (die Straße gibt es heute nicht mehr); 1910 erwarb China ein Haus am Kurfürstendamm für seine Gesandtschaft, die 1935 in den Rang einer Botschaft erhoben wurde. Der Botschafter der Kuomintang-Regierung kehrte nach dem II. Weltkrieg kurz nach Berlin zurück. Da die Bundesrepublik Deutschland Taiwan nicht anerkannte, wurde die Vertretung verlassen. Sie fiel nur noch deshalb auf, weil sie lange Jahre das einzige Haus am Kurfürstendamm blieb, das einen Vorgarten hatte. In den 80er Jahren wurde das Gebäude schließlich der Volksrepublik zugesprochen, die es verkaufte. Das einzig Chinesische in dem Gebäude ist heute ein Restaurant.

Die Volksrepublik konzentrierte sich zunächst auf ihre diplomatischen Beziehungen zur DDR (1950-1990). Sie verfügte über repräsentative Vertretungen, erst in Berlin-Karlshorst, dann im damaligen Diplomatenviertel in Berlin-Pankow.

1972 vereinbarten die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen; die Botschaft fand ihr Domizil anfangs in einem Bonner Vorort, dann - repräsentativer - im Diplomatenviertel Bad Godesberg.

Nach der Wiedervereinigung zog sie 1999 in das gegenwärtige Gebäude in Berlin-Mitte, Märkisches Ufer 54, an der Spree. Der Bau war 1988 als Sitz des „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes" (FDGB) fertiggestellt worden - ein letzter moderner Repräsentativbau der DDR. Nach der Wende diente er von 1990-98 als Kongreßzentrum und erfuhr für diesen Zweck einige Umbauten. Diese kamen den chinesischen Bedürfnissen entgegen : der Kinosaal dient heute für kulturelle Veranstaltungen, die Tagungsräume wurden zu Bankettsälen umgestaltet. Der Gästebereich wird für die Unterbringung von offiziellen Besuchern aus China genutzt. Nach außen wurde der Charakter des gelungenen Zweckbaus im wesentlichen beibehalten, wenn auch etwas origineller eingekleidet. Im Inneren wurden behutsame, aber geschmackvolle Veränderungen vorgenommen. Sie führten zur Symbiose zwischen einer lichten modernen Architektur mit starken Elementen traditioneller chinesischer Innenausstattung.

Obwohl das Hauptgebäude großzügig angelegt und sicher auch für den weiteren Ausbau des Arbeitsanfalls gewappnet ist, hat die Botschaft noch zwei weitere wichtige Zentren in Berlin, die große Wirtschafts- und Handelsabteilung am Majakowskiring 66 in Berlin-Pankow, wo sie auch schon zu Zeiten der DDR war, und die Bildungsabteilung in der Dresdner Straße 44, Berlin-Kreuzberg. Außerdem gibt es ein chinesisches Kulturzentrum in der Klingelhöferstraße 21, im traditionellen Diplomatenviertel des Berliner Westens am Tiergarten gelegen.

Eine breite Infrastruktur für Gastspiele und Ausstellungen, für die Teilnahme an Messen ist also vorhanden. Das kam besonders 2012 zum Tragen, als das 40-jährige Jubiläum der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen begangen wurde.

Es sollte nicht vergessen werden, daß China -trotz der unterschiedlichen ideologischen Ausgangspositionen -Deutschland stets in seinem Bestreben nach Wiedervereinigung unterstützt hat, wie auch wir das Ein-China-Prinzip bejaht haben. Grundlage ist das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das jeweils in § l der beiden Menschenrechtspakte der Vereinten Nationen niedergelegt ist. Das war und ist eine wichtige gemeinsame Grundlage im politischen Verhältnis beider Völker.

Für eine eingehendere Beschäftigung mit den Beziehungen zwischen beiden Ländern sei auf das Buch „Nachbar China" von Helmut Schmidt im Gespräch mit Frank Sieren (Journalist und langjähriger, ausgewiesener China-Kenner) verwiesen (Ullstein Taschenbuch, 1. Aufl.2007, 3. Aufl.2012). Daß ein ehemaliger deutscher Regierungschef sich jahrzehntelang so eingehend mit Geschichte und Gegenwart eines anderen großen Landes befaßt, unterstreicht die Wichtigkeit des Themas. Seine Positionen zu Fragen der Nicht-Einmischung und der Menschenrechte in der Außenpolitik greifen darüber hinaus und sind von allgemeiner Relevanz im Verhältnis zu Staaten anderer Kulturkreise.

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Fotos: Dietrich Lincke

Chinesische Botschaft.

Brückenstraße 10
10179 Berlin

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