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Die Liebe in Mythen und Sagen

Florian Russi

Broschüre, 24 Seiten
EUR 2,00

Liebesglück und Liebesleid beschäftigen die Menschen seit Jahrhunderten. Ihren Ausdruck fanden sie in zahlreichen Mythen und Legenden, vom frühen Altertum bis in die frühe Neuzeit.

St. Hedwigs-Kathedrale

St. Hedwigs-Kathedrale

Florian Russi

Wahrzeichen der Katholischen Kirche in Deutschland?

St. Hedwigs-Kathedrale
St. Hedwigs-Kathedrale

Am Bebelplatz in Berlin zwischen der Staatsoper Unter den Linden und der Alten Bibliothek („Kommode") liegt die Hedwigs-Kathedrale. Sie ist die Hauptkirche für die Katholiken Berlins sowie Bischofskirche des Erzbistums Berlin -, das neben der Bundeshauptstadt die Gebiete Nordbrandenburg sowie Vorpommern mit derzeit rd. 360.000 Katholiken umfasst. Die Kirche ist der Heiligen Hedwig geweiht. Die war ein Prinzessin aus dem Hause Andechs, mit dem schlesischen Herzog Heinrich I. verheiratet und eine Tante der noch berühmteren Heiligen Elisabeth von Thüringen.

Hedwig wird als Schutzheilige von Schlesien verehrt. Nachdem Friedrich der II. („Der Große") von Preußen die Provinz Schlesien den Österreichern weggenommen hatte, zog es viele Einwohner Schlesiens in die neue Hauptstadt Berlin. Die Schlesier aber waren im Gegensatz zu den Brandenburgern und Preußen mehrheitlich katholisch. Berlin zählte in der Mitte des 18.Jahrhunderts etwa 110.000 Einwohner, darunter 10.000 Katholiken. Von diesen dienten, was sie besonders wichtig machte, 4.000 in der königlichen Leibgarde. Die Katholiken Berlins wollten ihre Gottesdienste feiern und verlangten nach eigenen Kirchen. Bis dahin hatten sie sich behelfsweise in den Betzimmern oder Kapellen von Botschaftern aus katholischen Ländern versammelt, später in einer nicht ausreichenden Hinterhauskapelle oder gegen Gebühren in protestantischen Kirchen zusammen finden müssen.

Die Hedwigskirche von Joseph Maximilian Kolb, 1850
Die Hedwigskirche von Joseph Maximilian Kolb, 1850

Friedrich der Große, der in Fragen der Religion sehr tolerant war und in einem ihm vorgelegten Bericht schriftlich angemerkt hatte, dass in seinem Staat „jeder nach seiner Fasson selig werden" dürfe, beauftragte seine Architekten Knobelsdorff und Boumann d. Ä. einen Plan für die Errichtung eines Stadtensembles zu entwerfen, das „Forum Fridericianum" genannt wurde. Der Plan, der nur zum Teil verwirklicht wurde, sah auch den Bau eines repräsentativen Gotteshauses vor.  

Wenn man dem, angeblich nicht immer zuverlässigen, Chronisten General Dieudonné Thiébault folgt, so hatte Friedrich zunächst daran gedacht, nach klassisch-römischem Vorbild ein „Pantheon", d.h. eine Kultstätte für „alle Götter" zu errichten. Darin sollten nicht nur die Katholiken, sondern auch Juden und andere Glaubensgemeinschaften ihre Gottesdienste feiern können. Aus diesem Grund sei der Rundbau der Kirche so angelegt worden, dass sich um die Haupthalle herum  Seitenkapellen oder Kulträume gruppierten, die dann von den einzelnen Religionsgruppen genutzt werden konnten. Zur Verwirklichung dieses Pantheons ist es nicht gekommen.

St. Hedwigs-Kathedrale, hinterer Eingang
St. Hedwigs-Kathedrale, hinterer Eingang

Das Gotteshaus wurde zwischen 1747 und 1773 nach Plänen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff und Jean Laurent Legeay im Stil der Spätrenaissance errichtet. Es wurde zu einer rein katholische Kirche. An der Grundsteinlegung im Jahr 1747 nahm auch ein Vertrauter des Königs teil. Die Baufinanzierung, die mit 135.000 Talern veranschlagt war, gestaltete sich zu einem Akt europäischer Solidarität. Der größte Teil der Summe wurde durch Spenden von Katholiken aus Italien, Spanien und Polen aufgebracht. Neben Friedrich II., der vor allem Baumaterial zur Verfügung stellte, beteiligten sich auch der Vatikan und besonders der Bischof von Brescia (Lombardei), Kardinal Angelo Maria Quirini, an den Kosten. Auf Wunsch Friedrichs II. wurde die Kirche durch Fürstbischof Graf Krasicki vom Ermland am 1.11.1773 eingeweiht. Papst Clemens XIV. (1769-1774) erteilte seinen Segen. 1887 war der Bau endlich vollendet.

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin
Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin

1930 wurde die Kirche zur Kathedrale erhoben, 1943, im 2. Weltkrieg, wurde sie durch Bomben zerstört, von 1952 bis 1963 wieder aufgebaut. Papst Johannes Paul II. stiftete ihr 1980 eine Petrusfigur aus dem 14. Jahrhundert, die heute noch den unteren Altarraum der offen gestalteten Innenkirche beherrscht.

Der amtierende Bischof, Kardinal Woelki, trat zu Beginn des Jahres 2014 mit dem Vorschlag an die Öffentlichkeit, die Hedwigskirche zur zentralen katholischen Kirche und damit zum Wahrzeichen des Katholizismus in Deutschland zu erheben. Für die traditionsbewusste römisch-katholische Kirche sind Sakralbauten nicht beliebig und austauschbar. Ähnlich wie menschliche Würdenträger werden sie mit Titeln, Rangstellungen und Funktionen ausgezeichnet. So ist der Petersdom in Rom die zentrale Kirche für die gesamte katholische Christenheit, und so unterscheidet man zwischen Domen, Kathedralen, Münstern, Basiliken, Pfarrkirchen, Filialkirchen, Kapellen u.a. Als zentrale Kirche für Deutschlands Katholiken kämen die Dome zu Trier, Speyer, Aachen und Köln oder Fulda in Betracht.

Innenraum. Im unteren Altarraum in der Mitte die Petrusstatue aus dem 14. Jh.
Innenraum. Im unteren Altarraum in der Mitte die Petrusstatue aus dem 14. Jh.

In Trier, von 293 bis 392 eine der Hauptstädte des (west-)römischen Reiches, entstand in der Zeit zwischen 251 und 300 das erste Bistum auf deutschem Boden. In Speyer steht eindrucksvoll die größte romanische Kirche der Welt. Der Dom zu Aachen hat seinen Ursprung in der Kapelle der bedeutendsten Kaiserpfalz Karls des Großen. Sie war über viele Jahrhunderte die Krönungskirche für die deutschen Könige. Der Kölner Dom, an dem von 1248 bis 1880 gebaut wurde, ist die gewaltigste der deutschen Kathedralen und Zentralkirche des größten deutschen Bistums. Das Bistum Fulda schließlich, war die wichtigste Wirkungsstätte des Heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen. Unter dem Fuldaer Dom liegt er auch begraben.

Folglich gibt es mehrere Gotteshäuser, die dem Anspruch gerecht würden, ein zentraler Weiheort für Deutschlands Katholiken zu sein. Doch die fünf genannten Kirchen stehen gleichwertig nebeneinander. Am ehesten noch der Kölner Dom hat sich als römisch-katholisches Symbol in das öffentliche Bewusstsein eingeprägt. Zugleich wird er aber auch als Sinnbild des „rheinischen Katholizismus" gesehen. Dagegen hätten die Gläubigen in München, Hamburg, Berlin oder Görlitz sicherlich einige Vorbehalte.

Blick in die Kuppel der Kathedrale
Blick in die Kuppel der Kathedrale

Seit der Entscheidung des deutschen Bundestags vom 20. Juni 1991 ist Berlin die Hauptstadt der vereinigten Bundesrepublik Deutschland. Das Brandenburger Tor wurde seitdem zum Wahrzeichen des gesamten Landes, Reichstagsgebäude und Kanzleramt zu Symbolen der deutschen Politik, Nofretete und Museumsinsel zu Sinnbildern deutscher Kulturgeschichte. Berlin ist zum Zentrum geworden, zum Anziehungspunkt auch für Millionen Touristen aus aller Welt. Deshalb ist es durchaus überlegenswert, in Berlin auch nach einem sakralen Mittelpunkt für die katholische Kirche zu suchen.

Im Nachkriegsdeutschland haben Vertriebene aus den Ostgebieten des früheren Deutschen Reichs sehr viel Positives bewirkt. Warum sollte nicht auch die Schutzheilige der ehemals deutschen Provinz Schlesien ihren Mantel ein wenig ausbreiten und ganz Deutschland unter seine schützende Hülle nehmen?

 

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Bildnachweise:
- Vorschaubild: Modell der St. Hedwigs-Kathedrale im unteren Kirchenraum. Foto: Florian Russi.
- alle Fotos der St. Hedwigs-Kathedrale (außen und innen): Florian Russi.
- Bild oben links: Die Hedwigskirche (1850). Stahlstich von Joseph Maximilian Kolb.
- Foto "Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Berlin": Pressefoto des Erzbistums Berlin.

St. Hedwigs-Kathedrale

Hinter der Katholischen Kirche 3
10117 Berlin

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