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Strandgut
Ein Inseltagebuch

Berndt Seite

Die Ostsee ist ein Sehnsuchtsort, an dem man seine Gedanken mit dem Meer schweifen lassen kann. Beim Anblick der Wellenbewegungen kommen Erinnerinerungen an das Auf und Ab des Lebens auf. In eindrucks- und stimmungsvollen Bildern beschreibt Berndt Seite in seinem Tagebuch philosophische Reflexionen in Rückblick auf sein privates und poltisches Leben. Das raue und derbe Klima der Ostsee, die verschiedenen Jahreszeiten am Meer haben dabei ihren ganz eigenen Charme und helfen ihm, alte Dinge abzustreifen und wieder zu sich selbst zu finden.

Künstlerkolonie am Breitenbachplatz

Künstlerkolonie am Breitenbachplatz

Clemens Pätzold

Wohnsiedlung im Süden des Berliner Ortsteils Wilmersdorf

Künstlerkolonie am südlichen Ende des Ortsteils Wilmersdorf
Künstlerkolonie am südlichen Ende des Ortsteils Wilmersdorf

Zwischen der Kreuznacher Straße und dem Südwestkorso sowie dem Steinrückweg und der Laubenheimer Straße liegt im Berliner Bezirk Wilmersdorf eine Wohnsiedlung aus vier- und fünfgeschossigen Häusern, die zwischen 1927 und 1931 erbaut wurde. Das Zentrum der Anlage bildet der Ludwig-Barnay-Platz (ehemals Laubenheimer Platz). Bauherren waren die Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) und der Schutzverband Deutscher Schriftsteller, die ihren Mitgliedern bezahlbaren Wohnraum in grüner Umgebung zur Verfügung stellen wollten. Die großzügig angelegten Innenhöfe sollten außerdem das gemeinschaftliche Wohnen und Zusammenleben fördern. Architekten der drei Wohnblocks waren Ernst und Günther Paulus. Alle drei Wohnblocks sind bis heute erhalten geblieben.

Im Laufe der Jahre zogen in die eher kleinen Wohnungen Schauspieler, Sänger, Schriftsteller, Bühnenbildner, Musiker und Maler ein, von denen ein paar auch berühmt wurden. Viele der circa 1000 Bewohner der Künstlerkolonie waren linke Intellektuelle und Künstler und mussten nach 1933 Deutschland verlassen, andere zogen später in größere Wohnungen in anderen Stadtteilen. So wohnte Ernst Busch von 1931 bis 1933 und dann wieder von 1945 bis 1949 hier. Aber auch der Philosoph Ernst Bloch, der Psychoanalytiker Wilhelm Reich, der Maler aus der Schule der neuen Prächtigkeit Manfred Bluth, der Verleger Franz Cornelsen, die Schauspielerin Lil Dagover, die Schauspieler Gustav Knut und Klaus Kinski, der Komponist Walter Kollo, der Kabarettist Dieter Hildebrandt, die Publizisten Axel Eggebrecht und Sebastian Haffner, der Fensehmoderator Hugo Egon Balder und viele andere Kunstschaffende lebten für einige Monate oder auch für viele Jahre in der Künstlerkolonie. Neben zahlreichen Hauseingängen hängen Tafeln mit Angaben zu den Persönlichkeiten, die in den Häusern einen Teil ihres Lebens verbracht haben. Immer wieder schlendern Gruppen mit meist älteren Herrschaften durch die Straßen der Künstlerkolonie, um sich von einem fachkundigen Führer interessante Details über die berühmtenn aber auch weniger berühmten ehemaligen Mitbürger erzählen zu lassen.

Denkmal Künstlerkolonie
Denkmal Künstlerkolonie

1952 ging die Künstlerkolonie zusammen mit vielen anderen Häusern der Gartenstadt am Südwestkorso in den Besitz der Gemeinnützigen Heimstätten-Aktiengesellschaft (GEHAG) über, und so zogen auch Menschen in die Wohnungen, die weniger an den schönen Künsten interessiert waren. Noch lange Zeit hatte allerdings die DGBA ein Mitspracherecht bei der Vergabe frei gewordener Wohnungen. Zwischendurch gehörte die Künstlerkolonie der VEBA und der Deutschbau. Heute ist die Deutsche Annington Immobilien Gruppe Eigentümerin. Sie ist mittlerweile das größte Wohnungsunternehmen in Deutschland mit amerikanischen Wurzeln und kauft eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft nach der anderen nicht nur in Berlin auf.

Nachdem die Häuser, die den zweiten Weltkrieg überstanden hatten, jahrelang verfielen, aber einen gewissen Charme ausstrahlten mit ihren abbröckelnden Fassaden, in denen immer noch Einschusslöcher von den Kriegsereignissen zu sehen waren, und mit den von Efeu und wildem Wein überwucherten Häuserwänden, die im Herbst in strahlendem Rot erleuchteten und in dem die Spatzen schon morgens um fünf anfingen, Krach zu machen, beschloss die Deutsche Annington, die Häuser zu sanieren und zu modernisieren. Begonnen wurde mit dem Häuserblock zwischen Kreuznacher Straße, Bonner Straße, Ludwig-Barnay-Platz und Laubenheimer Straße. Ab 2014 wurden die Dacheindeckung und die Fassaden erneuert, die mittlerweile dicht bewachsenen Grünanlagen durch mit kleinen stachligen Hecken umgebenen Rasenflächen ersetzt und Fahrradständer im Innenhof errichtet. Doppelverglaste Badezimmer-, Küchen- und Speisekammerfenster sollen folgen, um auch die Mieter an den Modernisierungskosten beteiligen zu können. Zumindest wurde an die Spatzen gedacht, die als Ersatz für die löchrigen Dächer und die dichte Häuserwandbegrünung schöne neue Nistkästen hoch oben unter der Dachtraufe erhalten haben.

Im Norden der Künstlerkolonie schließt sich das Rheingauviertel an, das bis zum Heidelberger Platz reicht und dessen Straßen und Plätze nach Orten im Rheingau benannt sind. Den Mittelpunkt dieses Bereichs bildet der Rüdesheimer Platz, auf dem jedes Jahr zwischen Mai und September der sogenannte Weinbrunnen stattfindet. Hier treffen sich Anwohner und Weintrinker auch aus anderen Bezirken um in gemütlicher Runde unter den alten Bäumen bei mitgebrachten Speisen die verschiedenen Weine des Rheingaus zu kosten. Besondere Beachtung hat die Rüdesheimer Straße erlangt, die kürzlich in der New York Times als eine der zwölf schönsten Straßen in Europa beschrieben wurde, was selbst der dort Aufgewachsene als sehr stark übertrieben empfindet.

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Bildquellen:

 Künstlerkolonie Berlin im Bezirk Wilmersdorf von oben. Foto: Rhetorik-Netz, Wikipedia, Lizenz: CC BY-SA 3.0

 Die Künstlerkolonie am südlichen Ende des Ortsteils Wilmersdorf. Foto: Alexrk2, Wikipedia, Creative Commons "CC-BY-SA 2.0" l

Denkmal Kuenstlerkolonie Foto: Axel Mauruszat, gemeinfrei