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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Die schwarzen Brüder

Die schwarzen Brüder

An einem Hause in der Brüderstraße nahe beim Schlossplatze soll früher ein Bild zu sehen gewesen sein, darauf bemerkte man vier Männer, die auf einem Pferde ritten. Das waren vier Brüder. Die wohnten zusammen, aßen aus einer Schüssel, tranken aus einem Becher und waren einander in herzlicher Liebe zugetan. Darüber ärgerte sich der Teufel, und er  beschloss, die Eintracht zu stören. Er nahm die Gestalt eines Mädchens an und wandelte vor dem Tore, wo die vier Brüder abends spazieren gingen, auf und ab. Allen gefiel das Mädchen, und einer stahl sich nach dem anderen fort, um mit der Unbekannten allein zu sprechen. Da trafen sie dann plötzlich alle vier zusammen und merkten nun erst, dass der Teufel sie genarrt hatte. Der hatte sich jedoch arg verrechnet. Die Brüder sahen nämlich ihr Unrecht ein und gelobten, nie wieder voneinander zu lassen. Sie lebten einträchtig miteinander wie zuvor, gingen nie einzeln aus dem Hause, und wenn sie ausritten, saßen sie alle auf einem Ross. So stellte man sie auf dem Bilde dar. Allen Freuden der Welt entsagten sie, um sich nicht wieder zu entzweien; daher trugen sie einen schwarzen Mantel, weshalb man sie die schwarzen Brüder genannt hat. Ihre Reichtümer benutzten sie dazu, zwischen der Bürderstraße und der Breiten Straße ein Kloster zu bauen, dessen Gebäude noch 200 Jahre gestanden hat, nachdem Kurfürst Joachim II. das Kloster um 1540 aufgehoben hatte. Die Brüderstraße...verdankt den Klosterbrüdern ihren Namen.

entnommen aus „Berliner Heimatbücher"
Berliner Sagen und Erinnerungen
Gesammelt von Otto Monke
Verlag von Quelle und Meyer in Leipzig 1926

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Fotos: de.wikipedia.org/wiki/Teufel

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