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Flechtwerk
Lebendige Nachbarschaft und Integration

so heißt die erste Ausgabe unserer neuen Zeitschrift

FLECHTWERK - Lebebendige Nachbarschaft und Integration

Die Deutschen sind ofener geworden und haben gleichzeitig mehr Sinn für Heimat, Familie und Nachbarschaft entwickelt. Es müssen neue Wege gesucht werden, um Ausgrenzung und Anonymität zu verhindern.

Lied der Berliner Hökerinnen

Lied der Berliner Hökerinnen

Adolf Glassbrenner

Mir kümmert jar nischt in de Welt,
Ick due mir nich jrämen;
Wen meine Ware nich jefällt,
Der kann sich andre nehmen.
Man immer ran, Herr Muschketier!
Recht saft`je Perjemotten hier!
Was sächt er? Sind nich scheene?
Mach' er sich nich jemeene!

Madamken, keene Äppel heit?
Sechs Jroschen man die Metze.
Ick jlobe, sie is nich jescheit;
Wat hör ick da? Wat red`t se?
Drei Silberjroschen biet`se mir?
Na, Schönste, pack se sich von hier
Mit ihren Hut un Freese,
Ick wünsch ihr jute Reese!

Was steht ihr denn un kuckt hier zu?
Wech von de Äppel, Jeeren!
Hier, bester Herr, nach ihren Ju,
Janz reife Stachelbeeren.
Na jeh er man, er hat keen Jeld,
Ick hör, wie em der Magen bellt;
Er macht sich ja jemeene,
Freß er doch Kieselsteene!

Wie ist, Herr Kriegsrat? Komm'n Se her
Un rühr'n Se mal den Daumen!
Wat wünschen Sie`n, Herr Sekerteer?
Recht scheene blaue Pflaumen!
Na, soll ick messen, bester Mann?
Man immer ran, man immer ran!
Na womit kann ick dienen?
Recht saft'je Appelsinen!
So handl` un verdiene Jeld,
Un due mir nich jrämen;
Wen meine Ware nich jefällt,
Der kann sich andre nehmen.
Am Dage ruf' ick Käufer ran.
Det Abends keil' ick meinen Mann,
Un Sonntach's heeßt et: schnüren,
Nach Moabit kutschieren!

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(Adolf Glassbrenner 1810-1876)

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