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Wilfried Bütow
Kennst du Heinrich Heine?

Kunstfertig in vielen Genres, geht Heine souverän mit den Spielarten des Komischen um, erweist sich als ein Meister der Ironie und der Satire und weiß geistreich und witzig zu polemisieren.
Doch hatte er nicht nur Freunde. Erfahre mehr vom aufreibenden Leben Heines, wie er aus Deutschland fliehen musste, in Paris die Revolution von 1830 erlebte und den großen Goethe zu piesacken versuchte.


 

Abraham Mendelssohn und seine Kinder

Abraham Mendelssohn und seine Kinder

Prof. Dr. habil. Horst Nalewski

Abraham Mendelssohn Bartholdy
Abraham Mendelssohn Bartholdy

1804 hatte Abraham Mendelssohn die Ehe mit Lea Salomon geschlossen. Sie entstammte der wohlhabenden jüdisch-patrizischen Familie des Daniel Itzig. Der Bruder von Lea Salomon, Jacob, nahm anlässlich seiner Taufe den Namen Bartholdy an, Name des Vorbesitzers seines Anwesens. Zu dem Doppelnamen Mendelssohn Bartholdy (ohne Bindestrich!) bekannte Abraham sich nach seiner Taufe 1822 ebenfalls. Das geschah in seinem 46. Lebensjahr.

Es war dies der Wunsch nach Überwindung der jüdischen Isolation, der Wunsch nach Assimilierung an die in den deutschen Landen herrschende Kultur sowie an die kulturtragenden Schichten selbst und, verständlicherweise, an berufliche Aufstiegschancen. Alle seine vier Kinder wurden getauft: Fanny, Felix, Rebecca und Paul.

Für Abraham bedeutete dieser Schritt eine Formalität. Wie für Heinrich Heine, der ihn 1825 als das »Entréebillet zur europäischen Kultur« bezeichnet hatte. Nicht so für den Sohn Felix. Das Ansinnen des gestrengen Vaters, der junge Komponist sollte sich auf den Konzert-Ankündigungen in England Felix Bartholdy, allenfalls Felix M. Bartholdy, nennen, befolgte er nicht. Ihm war das Bekenntnis zum protestantisch-christlichen Glauben eine tiefernste Angelegenheit. Wenn auch, das muss man hinzusetzen, er am Schicksal der Juden zeitlebens Anteil genommen hatte. Ein gelebter Zwiespalt denn sowohl in frühester Kindheit wie auch kurz vor seinem Tode musste er anti-jüdische Infamien hinnehmen.

Alle vier Mendelssohn-Kinder- 1805, 1809, 1811, 1813 geboren - besuchten zunächst eine private Grundschule, erhielten sodann Unterricht im elterlichen Hause von ausgesucht guten Lehrern und zwar in allen gängigen Fächern und, da die musikalische Begabung bei ihnen sich frühzeitig zeigte, Unterricht im Klavierspiel, in Geige- und Cello-Unterweisung sowie der Musiktheorie. Hinzu kam die Gesangsausbildung an der Berliner Singakademie, die zu der Zeit Carl Friedrich Zelter leitete.

Auf Anraten der Tante Sara Levy wurde eben Zelter zum Musikerzieher der Kinder Fanny und Felix gewonnen. Im Hause Mendelssohn unterwies er sie in Harmonielehre, Kontrapunkt und wohl auch in den Anfangsgründen der vokalen und instrumentalen Kompositionen. Er eröffnete Felix das Tor zu dem großen Johann Sebastian Bach.

Von heute aus gesehen war der Stunden- und Arbeitsplan der Kinder nahezu spartanisch. Während des Tages gab es - außer den Mahlzeiten - keine freie Zeit; was nicht durch Studium oder Lektüre besetzt war, wurde durch Unterricht in Musik, im Zeichnen, im Tanzen und durch turnerische Übungen ausgefüllt. Felix war ein guter Schwimmer. Unter allen Umständen sollte jeder Müßiggang vermieden werden.


Es war das ein jüdisch-puritanisches, fast calvinistisches Erbe. Die Ethik einer rastlosen Tätigkeit. Sie wurde Felix Mendelssohn Bartholdy zur Lebensmaxime. Nicht nur - angesichts seines frühen Todes mit 38 Jahren - zu seinem Vorteil.

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Entnommen aus: Horst Nalewski, Goethe hat ihn bewundert, Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy plus CD mit Hörbeispielen, Bertuch Verlag, Weimar 2011

Foto: Wikipedia http://de.wikipedia.org/wiki/Abraham_Mendelssohn_Bartholdy

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