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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

George Eliot in Berlin

George Eliot in Berlin

Nadine Erler

Auszug aus: George Eliot’s Life as related in her Letters and Journals, Band 2

* * * * *

Der Tag unserer Ankunft war Sonntag, der 6. November. Die Sonne schien und wir gingen Unter den Linden spazieren, wobei wir uns mit Einsatz der Ellbogen den Weg durch die promeneurs dimanchés bahnten, die verglichen mit den Thüringern bemerkenswert gut aussahen. Wir waren noch nicht weit gegangen, als wir einen liebenswert aussehenden alten Herrn trafen. Er trug einen Orden um den Hals und hielt einen Stock mit Goldknauf in der Hand. Als er G.[1] sah, rief er: „Ist’s möglich?“ und hieß ihn herzlich willkommen. Ich sah sofort, dass es Varnhagen[2] war, von dem ich so oft gehört hatte. Seine Nichte[3], lächelnd und mit einem rosa Hut, war bei ihm.

In den ersten sechs Wochen machten wir, wenn das Wetter es zuließ, Spaziergänge im Tiergarten. Die schnurgeraden und einförmigen Alleen aus uninteressanten Bäumen bildeten einen sehr unvorteilhaften Gegensatz zu unserem geliebten Park in Weimar, der mit seiner Vielfalt so charmant war. Aber dann und wann zeigte sich der Zauber des Winters, vor allem in dem Teil, der am weitesten von der Stadt entfernt liegt. Hier sind die Bäume schöner und es gibt mehr Abwechslung. Ein Weg, der rechts am Tiergarten entlang führte, gefiel uns besonders, weil man auf einer Seite eine Landschaft mit Wasser und ein oder zwei Booten sehen konnte, die im Licht der Sonne hinreißend anzusehen war. Berlin war für uns ein „Tag der kleinen Dinge[4]“, was die Schönheit anging, und wir machten eine Menge daraus.



[1]George Henry Lewes (1817–1878), Schriftsteller, Literaturkritiker, Philosoph und George Eliots verheirateter Lebensgefährte (Anm. d. Übers.).

[2] Karl August Varnhagen von Ense (1785 – 1858), Diplomat, Schriftsteller und Ehemann von Rahel Varnhagen (Anm. d. Übers.).

[3] Rosa Ludmilla Assing (1821 – 1880), Schriftstellerin, Biografin, Übersetzerin, Herausgeberin und Zeichnerin (Anm. d. Übers.).

[4]Zitat aus dem biblischen Buch Sacharja, 4, 10 (Anm. d. Übers.).

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Deutsche Übersetzung: Nadine Erler

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George Eliot Von Unbekannt. Upload, stitch and restoration by Jebulon - Bibliothèque nationale de France, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=77...

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