Berlin-Lese

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Die verlassene Schule bei Tschernobyl - Lost Place

Nic

Am 26. April 1986 kam es im Atomkraftwerk Tschernobyl zu einer der schlimmsten Nuklearkatastrophen. Die freigesetzte Radioaktivität entsprach dem zehnfachen der Atom-Bombe von Hiroshima 1945. Erst drei Tage später wurde die 3 km entfernte Stadt Prypjat evakuiert und alle Bürger mussten ab 14 Uhr "vorübergehend" ihren Wohnort verlassen. Seither ist die Mittelschule der Stadt verwaist.

30 Jahre Leerstand hinterlassen Ihre Spuren. Doch genau die machen den Ort sehenswert. Der Großteil der Mittelschule ist in einem unberührten Verfallszustand. Die Wände verlieren ihre Farbe, die alten Schulbücher erinnern an den einstigen Schulalltag. Das Heft zeigt Klassenräumen, Flure, die Turnhalle und die große Schulaula.

Das Heft bietet in der Mitte ein doppelseitiges Poster.

ISBN: 978-3-86397-121-2

Preis: 3,00 €

Berlin - ist groß & jeder hat eine andere Meinung

Berlin - ist groß & jeder hat eine andere Meinung

Berlin ist groß, und jeder hat eine andere Meinung von Berlin. Der Osten liegt fern vom Westen und der Süden weit vom Norden. Es sind Städte für sich. Jede Straße, jeder Komplex ist eine Insel für sich. Hier ist es die neue Stadt des Reichtums und dort die harte Stadt der Arbeit. Hier ist es das Thule der Gelehrten, dort die Veste der Macht. Hier ist seine Schönheit gepriesen und dort seine Hässlichkeit verachtet. Hier in diesem Winkel berühren sich alle Gegensätze, reiben sich Anmut und Laster, Reichtum und Elend. Hier jagen die Eisenbahnen schlafscheuchend an rauchgeschwärzten Hinterhäusern vorüber, dort gleiten und huschen die hellen Hochbahnzüge wie leuchtende Glasschlangen in ihre schwarzen Löcher hinab und steigen mühelos aus ihnen empor. Dort liegen Nebenstraßen, ganze Vierte, lang, einsam, unheimlich und finster; hier schiebt sich die Menschenwoge im bunten Narrenkleid der tausend Stände, Tag und Nacht, ohne Unterbrechung, stockend, langsam, schrittweis, ruckweis...schiebt sich - immer wieder sich bindend und immer wieder sich lösend- über die Plätze hin, die, von ganz oben herab, von den mattblauen Monden der Bogenlampen bestrahlt werden. Oh, Berlin ist groß, und sein Gewand schillert in tausend Farben.

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Georg Hermann, 1910

 

Man hat in Süddeutschland stets unter andrer „fable convenue" über den Charakter der Berliner auch die sehr verkehrte Meinung von ihren anspruchsvollen Lebensgewohnheiten gehegt. Nichts irriger als dies. Wenn einzelne Parvenus, die auf Reisen gingen, überall die Nase rümpften und nichts so gut fanden, wie sie es angeblich zu hause hatten, so konnten diese widerwärtigen Berliner Snobs nur für diejenigen maßgebend sein, die sich in den mittleren und unteren Ständen der werdenden Großstadt nie umgesehen hatten. Bei diesen war vielmehr eine so große Genügsamkeit vorherrschend, wie sie in Bayern und Österreich nirgends in den gleichen Schichten der Bevölkerung anzutreffen war. Ihre Wohnungseinrichtung, die engen Höfe, in deren Tiefe kaum ein schwacher Sonnenschimmer fiel und doch ein schwindsüchtiges Gärtchen mit einer Bohnenlaube gepflegt wurde, die Landparteien im „Kremser" nach Pankow, Stralau, Grunewald, bei denen der bescheidene Mundvorrat mitgenommen wurde, die Spaziergänge der Bürger- und Arbeiterfamilie zu den Wirtschaften in Charlottenburg und Schöneberg, wo „kalte Schale" getrunken wurde oder ein Zettel anzeigte „hier können Familien Kaffee kochen", - dies alles zeugte für eine Anspruchslosigkeit im Lebensgenuss, die dem Wiener oder Münchener unbegreiflich gewesen wäre. Berlin war eben noch keine reiche Stadt, und die Arbeiter, die es im Laufe des Jahrhunderts dazu machten, mussten sich noch entsagungsvoll nach der Decke strecken.
Auch die geistigen Arbeiter, Beamte und Gelehrte, konnten damals (1855) nicht daran denken, wie es schon um die Mitte des Jahrhunderts jeder leidlich wohlstehenden Münchener Familie als selbstverständlich erschien, alljährlich zur Sommerfrische 4 bis 6 Wochen aufs Land oder in die Berge zu ziehen. Der Tiergarten musste für die Bedürfnisse nach frischerer Luft selbst in den Hundstagen ausreichen. Aber mit dem Talent zur Selbstironie, das dem echten Berliner angeboren ist, machte er aus der Not eine Tugend, und von sozialer Unzufriedenheit war damals noch nichts zu spüren.

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Paul Heyse, Jugenderinnerungen und Bekenntnisse, 1901

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