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Tee mit der Königin

Kurzgeschichten aus Wales herausgegeben und übersetzt von Frank Meyer und Angharad Price.

Regina Jonas

Regina Jonas

Herbert Kihm

die weltweit erste Rabbinerin

Das Leben und Schicksal der weltweit ersten Rabbinerin, der Berlinerin Regina Jonas, blieb bis heute rätselhaft und war lange Zeit vergessen.

Regina Jonas wurde am 3. August 1902 im Berliner Scheunenviertel geboren, ein Stadtteil, der stark jüdisch geprägt war in der damaligen Zeit, heute Berlin Mitte.

Nach dem Besuch des Oberlyzeums in Berlin-Weißensee, studierte sie an der liberalen „Hochschule für die Wissenschaft des Judentums" in Berlin, mit dem festen Ziel Rabbinerin zu werden, ein Berufsziel, das damals geradezu revolutionär war. Ihre Abschlussarbeit trug den zugleich provozierenden wie programmatischen Titel: „Kann die Frau das rabbinische Amt bekleiden?"

Jonas hielt in den Jahren danach eine Reihe von Übungspredigten – woraufhin Leo Baeck ihr bescheinigte, eine „denkende und gewandte Predigerin" zu sein – und gab Religionsunterricht an öffentlichen Schulen und an Schulen der jüdischen Gemeinde. Für verschiedene jüdische Institutionen hielt sie Vorträge zu religiösen und historischen Themen, auch über Fragen zur Bedeutung der Frauen im Judentum. Ihren eigentlichen Berufswunsch verlor dabei sie nicht aus den Augen.

Jonas sah sich als gleichberechtigt neben ihren männlichen Kollegen: „Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht".

Sie war jedoch keine Feministin und keine Anhängerin des Reformjudentums. Vielmehr war sie dem traditionellen Judentum von früher Jugend an verbunden. Ihren Berufswunsch verfolgte sie so hartnäckig, weil sie sich von Gott dazu berufen fühlte und weil sie in den traditionellen jüdischen Gesetzen keinen Widerspruch dazu finden konnte.

Über ihren eigenen Beruf schrieb sie: „Gar manche Dinge, die der Mann auf der Kanzel und sonst bei der Jugend nicht sagen kann, kann sie [die Rabbinerin] sagen. Die Welt besteht nun einmal durch Gott aus zwei Geschlechtern und kann nicht auf die Dauer nur von einem Geschlecht gefördert werden". Ihrer Meinung nach sollten jedoch nur unverheiratete Frauen als Rabbinerin tätig sein, da dieser Beruf und die Anforderungen von Ehe und Mutterschaft nicht miteinander vereinbar seien.

Am 6. November 1942 wurde sie zusammen mit ihrer Mutter nach Theresienstadt deportiert. Am 12. Oktober 1944 wurde sie in das KZ Auschwitz-Birkenau verbracht und dort wahrscheinlich am 12. Dezember ermordet.

Im Theresienstädter Archiv befindet sich eine Liste überschrieben mit „Vorträge des einzigen weiblichen Rabbiners: Regina Jonas", die Jonas vor ihrem Abtransport nach Auschwitz im sogenannten „Referat für Geistes- und Freizeitgestaltung" in Theresienstadt hinterlassen hatte, außerdem die folgenden Stichpunkte einer Predigt:

„Unser jüdisches Volk ist von Gott in die Geschichte gepflanzt worden als ein gesegnetes. Von Gott ‚gesegnet‘ sein, heisst, wohin man tritt, in jeder Lebenslage Segen, Güte, Treue spenden. – Demut vor Gott, selbstlose hingebungsvolle Liebe zu seinen Geschöpfen erhalten

die Welt. Diese Grundpfeiler der Welt zu errichten, war und ist Israels Aufgabe – Mann und Frau, Frau und Mann, haben diese Pflicht in gleicher jüdischer Treue übernommen. Diesem Ideal dient auch unsere ernste, prüfungsreiche Theresienstädter Arbeit, Diener Gottes zu sein, u. als solcher rücken wir aus irdischen in ewige Sphären – Möge all unsere Arbeit zum Segen für Israels Zukunft sein, (u. die der Menschheit). […] Aufrechte ‚jüd. Männer‘ und ‚tapfere edle Frauen‘ waren stets die Erhalter unseres Volkes. Mögen wir vor Gott würdig befunden werden, in den Kreis dieser Frauen und Männer eingereiht zu werden […] der Lohn, der Dank einer Mizwa, einer Großtat, ist die sittliche Großtat vor Gott. Rabbinerin Regina Jonas – früher Berlin."

(Zitiert aus Elisa Klapheck: Regina Jonas. In: Teetz 2000; S. 81f., aus wikipedia).

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Foto: Memoriel tablet for Regina Jonas, first woman rabi ever.Berlin,Krausnickstr.6,Detail, 2006,Autor: Eisenacher, Manfred Brueckels, public domain via wikipedia commons

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