Berlin Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.berlin-lese.de
Unser Leseangebot

Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Das Berliner Lied

Das Berliner Lied

Adolf Glassbrenner

Auf ihr Brüder, lasst uns singen
unser Liedchen, das ihr wisst,
doch die Spree soll den verschlingen,
der nur halb Berliner ist!
Fehlt uns auch noch mancherlei,
was zum Gotte nötig sei:
Kopf und Herz am rechten Ort,
kommt durch seine Welt man fort,
darum Brüder, stimmet ein:
Welches Glück, Berliner sein!

 

Freilich ist man sehr gemütlich
An der Donau und am Rhein,
denn der Schöpfer gab nur südlich
milde Lüfte, goldnen Wein;
doch Verstand und Mutterwitz
gab er uns als hellen Blitz
für die wolkentrübe Welt,
wo man nur am Schein sich hält.
Darum Brüder, stimmet ein:
Welches Glück, Berliner sein!

Rings bei allen deutschen Brüdern
neckt man uns mit bitt´rem Scherz;
dass wir nimmer ihn erwidern,
zeigt fürwahr kein kleines Herz;
selbst verspotten wir mit Mut,
was an uns nicht recht und gut,
und die deutsche Bruderhand
reichen wir durch´s ganze Land.
Darum Brüder, stimmet ein:
Welches Glück, Berliner sein!

 

Sucht nach keinem Blütenflore,
keiner Berge grünem Kranz,
sucht Berlin nicht vor dem Tore,
innen ist sein Wert und Glanz.
Suchet nicht nach Flittergold,
wenn ihr den Berliner wollt:
Tief in seinem Innern lebt,
was den Menschen schmückt und hebt.
Darum Brüder, stimmet ein:
Welches Glück, Berliner sein!,

----

(Adolf Glassbrenner 1810-1876)

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Sankt Nikolai zu Spandau
von Theodor Fontane
MEHR
Die Menge tut es
von Heinrich Heine
MEHR
Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen