Berlin Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
www.berlin-lese.de
Unser Leseangebot

Berndt Seite

N wie Ninive
Erzählungen

In metaphorisch einprägsamen Stil  werden verschiedene Schicksale erzählt, die ihren Haupthelden alles abverlangen, sie an ihre Grenzen bringen. Bei der Frage nach der Schuld, nach Gerechtigkeit und Gott verstricken sich Zukunft und Vergangenheit. 

"Er hat einen eigenen Ton, ein bisschen mecklenburgisch erdenschwer, aber dann auch wieder sehr poetisch"

Frankfurter Allgemeine 07.10.2014 Nr. 232 S. 10 

An die Berlinerin

An die Berlinerin

Kurt Tucholsky

An die Berlinerin
Mädchen, kein Casanova
Hätte dir je imponiert.
Glaubst du vielleicht, was ein dofer
Schwärmer von dir phantasiert?
Sänge mit wogenden Nüstern
Romeo, liebesbesiegt,
würdest du leise flüstern:
„Woll mit die Pauke jepiekt -?"
Willst du romantische Feste,
gehst du beis Kino hin...
Du bist doch Mutterns Beste,
du, die Berlinerin- !

Venus der Spree - wie so fleißig
Liebst du, wie pünktlich dabei!
Zieren bis zwölf Uhr dreißig,
Küssen bis nachts um zwei.
Alles erledigst du fachlich,
bleibst noch im Liebesschwur
ordentlich, sauber und sachlich:
Lebende Registratur!
Wie dich sein Arm auch presste:
Gibst dich nur her und nicht hin.
Bist ja doch Mutterns Beste,
du, die Berlinerin!

Wochentags führst du ja gerne
Nadel und Lineal.
Sonntags leuchten die Sterne
Preußisch-sentimental.
Denkst du der Maulwurfstola,
die dir dein Freund spendiert?
Leuchtendes Vorbild der Pola!
Wackle wie sie geziert.
Älter wirst du. Die Reste
gehen mit den Jahren dahin.
Lass die mondäne Geste!
Bist ja doch Mutterns Beste,
du süße Berlinerin - !

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Lied der Berliner Hökerinnen
von Adolf Glassbrenner
MEHR
Berliner Herbst
von Kurt Tucholsky
MEHR
Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen