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Hans-Jürgen Malles
Kennst du Friedrich Hölderlin?

Seine Werke gehört neben denen Goethes und Schillers zu den bedeutendsten der deutschen Klassik, auch wenn sein Leben im Wahnsinn endete. Eine Hinführung zum Verständnis von Hölderlins Persönlichkeit und Werk bietet Deutschlehrer Malles hier. Der Leser erhält Einblicke in ein facettenreiches Leben voller Höhen und Tiefen und darf teilhaben an Hölderlins Begeisterung für die Französische Revolution und die griechische Antike. Auch die Liebe zu Susette Gontard soll nicht unerwähnt bleiben.

An die Berlinerin

An die Berlinerin

Kurt Tucholsky

An die Berlinerin
Mädchen, kein Casanova
Hätte dir je imponiert.
Glaubst du vielleicht, was ein dofer
Schwärmer von dir phantasiert?
Sänge mit wogenden Nüstern
Romeo, liebesbesiegt,
würdest du leise flüstern:
„Woll mit die Pauke jepiekt -?"
Willst du romantische Feste,
gehst du beis Kino hin...
Du bist doch Mutterns Beste,
du, die Berlinerin- !

Venus der Spree - wie so fleißig
Liebst du, wie pünktlich dabei!
Zieren bis zwölf Uhr dreißig,
Küssen bis nachts um zwei.
Alles erledigst du fachlich,
bleibst noch im Liebesschwur
ordentlich, sauber und sachlich:
Lebende Registratur!
Wie dich sein Arm auch presste:
Gibst dich nur her und nicht hin.
Bist ja doch Mutterns Beste,
du, die Berlinerin!

Wochentags führst du ja gerne
Nadel und Lineal.
Sonntags leuchten die Sterne
Preußisch-sentimental.
Denkst du der Maulwurfstola,
die dir dein Freund spendiert?
Leuchtendes Vorbild der Pola!
Wackle wie sie geziert.
Älter wirst du. Die Reste
gehen mit den Jahren dahin.
Lass die mondäne Geste!
Bist ja doch Mutterns Beste,
du süße Berlinerin - !

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