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Winckelmann im Kreise der Gelehrten

Klaus-Werner Haupt

Das Gemälde "Winckelmann im Kreise der Gelehrten in der Nöthnitzer Bibliothek" von Theobald Reinhold Anton Freiherr von Oer steht im Mittelpunkt dieser Abhandlung über Winckelmann. Es dient dem Autor als Vorlage für eine kurze szenische Darstellung, in der die Geisteshaltungen und die Kontroversen der zwölf Gelehrten sichtbar werden.
Insgesamt besteht das Heft aus drei Teilen. Einem Kurzabiss zum Maler von Ohr, dessen Bild im Mittelpunkt steht, dann der szenischen Abhandlung, die das Bild zum Leben erweckt. Anschließend wird in einem wissenschaftlichen Abriss Winckelmann als Wegbereiter der Weimarer Klassik abgehandelt.

Der Branntweinsäufer und die Berliner Glocken

Der Branntweinsäufer und die Berliner Glocken

Heinrich von Kleist

Ein Soldat vom ehemaligen Regiment Lichnowsky, ein heilloser und unverbesserlicher´Säufer, versprach nach unendlichen Schlägen, die er deshalb bekam, dass er seine Aufführung bessern und sich des Brannteweines enthalten wolle. Er hielt auch in der Tat Wort während drei Tage; ward aber am vierten wieder besoffen in einem Rennstein gefunden und von einem Unteroffizier in Arrest gebracht. Im Verhör fragt man ihn, warum er,
seines Vorsatzes uneingedenk, sich von neuem dem Laster des Trunks ergeben habe?

„Herr Hauptmann!" antwortete er; „es ist nicht meine Schuld. Ich ging in Geschäften eines Kaufmanns mit einer Kiste Färbholz über den Lustgarten; da läuteten vom Dom herab die Glocken, Pomeranzen! Pomeranzen! Pomeranzen!" „Läut. Teufel, läut", sprach ich, und gedachte meines Vorsatzes und trank nichts. In der Königstraße, wo ich die Kiste abgeben sollte, steh ich einen Augenblick, um mich auszuruhen, vor dem Rathaus still; da bimmelt es vom Turm herab: „Kümmel! Kümmel! Kümmel! - Kümmel! Kümmel! Kümmel!" Ich sage zum Turm:"Bimmel du, dass die Wolken reißen" - und gedenke, mein Seel, gedenke meines Vorsatzes, ob ich gleich durstig war, und trinke nichts. Drauf führte mich der Teufel auf dem Rückweg über den Spittelmarkt; und da ich eben vor einer Kneipe, wo mehr als dreißig Gäste beisammen waren, stehe, geht es vom Spittelturm herab: „Anisette! Anisette!

Anisette!" „Was kostet das Glas?" frag ich. Und der Wirt spricht:"Sechs Pfennige."  „Geb` Er her", sag ich - und was weiter aus mir geworden ist, das weiß ich nicht."

*****

Quelle: „Der Urberliner" von Hans Ostwald, Paul Franke Verlag, Berlin 1928

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