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Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Tegeler Schloß

Tegeler Schloß

Dietrich Lincke

Im Nordwesten Berlins am Rande des Tegeler Forsts liegt das Tegeler Schloß, das „Humboldtschlößchen". Im 16. Jahrhundert kam das Gut Tegel aus kirchlichem Besitz an die brandenburgischen Kurfürsten, die dort um 1550 ein bescheidenes Herrenhaus errichten ließen. 1820-24 wurde es von Karl Friedrich von Schinkel im Auftrag Wilhelm von Humboldts zu seiner heutigen Form erweitert.

Nach zahlreichen Eigentumswechseln war das Schlößchen 1766 durch Heirat in den Besitz des Vaters von Alexander und Wilhelm von Humboldt gekommen. Die beiden berühmten Brüder verbrachten dort ihre Jugend. Nach dem Tode der Eltern - die Mutter starb 1796- erbte Wilhelm von Humboldt das Schlößchen. Es wurde sein Refugium und später sein Lebensmittelpunkt. Er brachte dort seine Sammlung klassischer Skulpturen (Originale der Antike oder Kopien) und von Werken bedeutender Bildhauer seiner Zeit (u. a. Thorvaldsen) unter, die er als preußischer Ministerresident (Gesandter) in Rom (1801-1808) begonnen und danach weitergeführt hatte. Höhepunkte seines öffentlichen Wirkens waren seine Zeit als der Leiter des preußischen Kultur- und Unterrichtswesens (1809) mit der Gründung der Berliner Universität und der Einführung des neuhumanistischen Gymnasiums und als Vertreter Preußens auf dem Wiener Kongreß 1814/15. Dazwischen lagen wichtige diplomatische Posten (Wien, London), noch einmal ein Ministeramt. Nach seiner Entlassung 1819 bis zu seinem Tode 1835 widmete er sich ganz seinen richtungweisenden sprachwissenschaftlichen Studien. Sein Arbeitszimmer läßt noch heute die Atmosphäre spüren, in der dieser große Staatsmann und Gelehrte wirkte.

Das Schlößchen ist weiterhin im Besitz der Nachkommen Wilhelm von Humboldts (von Heinz) und wird von ihnen bewohnt. Es kann an einem Tag in der Woche besucht werden, am Montag; dann finden vor- und nachmittags mehrere Führungen statt. Auch der angrenzende Park ist privat, aber zugänglich. Er verlockt zu einem stillen, beschaulichen Spaziergang, der zum Familienfriedhof der Familie von Humboldt führt. Dieser wurde von Karl Friedrich von Schinkel gestaltet und beherbergt die Gräber von Alexander und Wilhelm von Humboldt und ihrer Angehörigen.

In der Nähe des Schlößchens befindet sich die historische Gaststätte „Alter Fritz", die zu Ehren des Königs so genannt wurde, weil er sie selbst besucht hat. Auch Goethe war dort - am 20.Mai 1778, auf seiner einzigen Berlinreise, die er in Begleitung seines Herzogs Karl August unternahm. Daran mag sich Goethe erinnert haben, als er Tegel im Faust verewigte (1 4160/61):"Das Teufeispack, es fragt nach keiner Regel. Wir sind so klug, und dennoch spukt‘s in Tegel". Dieser Spuk fand 1797 statt. Es war der Schabernack eines Jägerburschen der alten Försterei, der weithin Aufsehen erregte. Mit dem Schlößchen selbst hatte der Spuk nichts zu tun. Die alte Försterei gibt es nicht mehr.

Auch Goethe war nicht im Schloß. Die Brüder Humboldt hat er damals nicht kennen gelernt; sie waren noch Kinder. Goethes enge Beziehungen zu den beiden „Berlinern" ergaben sich zwei Jahrzehnte später, als Wilhelm von Humboldt einige Jahre in Weimar lebte. Mit Alexander teilte Goethe die Begeisterung für die Naturwissenschaften.

Das Humboldtschlößchen atmet jedenfalls noch heute den Geist der Zeit Goethes und der Humboldts; es hat die schwierigen Zeitläufte überdauert wie Goethes Gartenhäuschen in Weimar. Für Berlin-Brandenburg ist es ein Unikum: es ist das einzige märkische Gutshaus, das über die Zeit der deutschen Teilung hinweg im Familienbesitz blieb - ein „seidener Faden der Kontinuität".

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Fotos: Dietrich Lincke

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13507 Berlin

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