Berlin-Lese

Gehe zu Navigation | Seiteninhalt
Berlin-Lese
Unser Leseangebot

Mitgelaufen

Christoph Werner

Das Buch „Mitgelaufen“ ist nicht wie andere Bücher über das Leben in der DDR. Hier liegt nicht der Fokus auf Mangelwirtschaft, einer allmächtigen Partei und der Staatssicherheit. Der Autor ist auch kein Opfer des Regimes, dem schreckliches widerfahren ist. Er gehört zu der großen Masse derjenigen, die sich als Rädchen im Mechanismus der DDR-Diktatur gedreht haben. Christoph Werner bricht mit seinem Buch das Schweigen der Mitläufer. Er stellt sich seiner eigenen Vergangenheit und dem Wissen, dass er selbst durch seine Zurückhaltung oder auch lautstarke Zustimmung das alte System lange am Leben erhalten hat. Jahrzehnte nach dem Mauerfall eröffnet er damit vor allem der heranwachsenden Generation, welche die DDR nur noch vom Hörensagen kennt, einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Geschichte.

Ohne Anklage und ohne den Versuch der Rechtfertigung wagt er eine kritische Betrachtung aus dem eigenen Erleben und gewährt Einblicke in eine vergangene Zeit.
Möge der Leser nicht mit dem Zeigefinger auf ihn zeigen, sondern sich fragen, wie oft er heute selbst dem Mainstream folgt oder mutig zu sich selbst und seiner Meinung steht.

Hans-Baluschek-Park

Hans-Baluschek-Park

Jean Gies

Eigenwillige Reize in Tempelhof-Schöneberg

Die Luftansicht des schmalen Grünstreifens, der zwischen den Bahnhöfen Priesterweg und Südkreuz entlang der S-Bahn-Trasse erstreckt, verheißt zunächst einmal kein allzu ergreifendes Naturerlebnis - zu eng, zu gerad, zu grau, zu jung scheint der Park, der nach dem Berliner Maler und Schriftsteller Hans Baluschek (1870 -1935) benannt und im Jahr 2004 eröffnet wurde.

Vor Ort erschließen sich jedoch seine eigenwilligen Reize. In Anbetracht des Flächenzuschnitts haben die Planer auf Reduktion und Bezugnahme auf lokale Gegebenheiten gesetzt. Wenige, formal starke Gestaltungselemente strukturieren den Park, die eingesetzten Materialien sind dem Bahnanlagenbau entlehnt, die Bepflanzung orientiert sich an der der typischen Vegetation, die sich an brachliegenden Bahndämmen ansiedelt.

Im Vordergrund der minimalistischen Konzeption steht eine 4 Meter breite, gerade, in Cortenstahl gefasste Asphaltbahn. Ihre makellos ebene Oberfläche lädt alles, was Räder und Rädchen hat, zum reibungsfreien, beseelten Dahingleiten in den Feierabend ein. Die 1,5 km lange Distanz wird exakt gegliedert durch vier rampenförmige Plätze, welche den Ausblick auf die Schöneberger Silhouette ermöglichen und unterschiedlichen Erbauungen der frischluftschnappenden Stadtflüchter gewidmet sind: dem Spiel, Sport, Picknick und Sonnenbad.

Dass der kleine Park trotz vorgegebener Enge und mathematischer Strenge nicht zu einer leidlich angenehmen, zweckbaulichen Betonschneise zwischen Verkehrsknotenpunkten geraten ist, sondern als kleine idyllische Zuflucht empfunden werden kann, liegt am harmonischen Zusammenspiel zwischen Geometrie, geplanter Asymmetrie und dem wunderbaren Wildwuchs, der sich entfalten darf. Eine Robinie ragt malerisch in die Sichtachse hinein, Kieferngruppen filtern mildes Licht auf die Plätze herab. Links und rechts der pfeilgeraden Skaterpiste führen kleine Trampelpfade den Flaneur ohne Fahrwerk an den Füßen durch die Trockenwiesen, im Schatten von Robinien, Birken, Ahorn, an Haselnuss und Brombeerhecke, Natternkopf, Schafgarbe, Flockenblume vorbei. Es wuchert und rankt, blüht und reift, welkt und dorrt, kratzt und piekst, zirpt und brummt vielgestaltig. Solche unverhoffte Wildnis inmitten der Stadt überrascht und rührt das Herz, das sich angesichts von Baumscheibenpatenschaften und Vertical Gardening schon lange nach den summenden Wiesen und zerkratzten Schienbeinen der Kindheit verzehrt. Man streift durch die wogenden Gräser, von einem bis zum anderen Ende des Parks, beglückt von der sich selbst überlassenen, saumseligen Natur. Und auf dem Rückweg sieht im Gegenlicht alles nochmal so schön aus, wodurch man sich - Verweilpäuschen nicht eingerechnet - eine gute dreiviertel Stunde auf dem sparsam bemessenen, doch an Naturimpressionen reichen Terrain ergehen und erfreuen kann.

 

Hans-Baluschek-Park

Wildpflanzen im Hans-Baluschek-Park

 

*****

Fotos: Jean Gies

Weitere Beiträge dieser Rubrik

Der Victoria-Luise-Platz
von Hannelore Eckert
MEHR
East Side Gallery
von Hannelore Eckert
MEHR
Werbung
Unsere Website benutzt Cookies. Durch die weitere Nutzung unserer Inhalte stimmen Sie der Verwendung zu. Akzeptieren Weitere Informationen